Drogenkarriere

Vorwort zur Beschreibung

Die Mehrzahl der Angehörigen der Drogenszene wird von den Konsumenten gestellt. Wie sieht nun der Werdegang z. B. eines Jugendlichen von den Anfängen des Rauschgiftkonsums bis zum Stadium eines Schwerabhängigen aus?
Für diesen Werdegang hat sich der Begriff der Drogenkarriere eingebürgert. Zur Erklärung und Beschreibung wird im allgemeinen ein Stadienverlauf gewählt. Diese Stadien (als Beispiel dient die Drogenkarriere eines Heroinsüchtigen) können wie folgt beschrieben werden:

1. Stadium

Häufig beginnt die Entwicklung zum Rauschgiftsüchtigen bereits im Pubertätsalter. Der Reifungsprozess in diesem Lebensalter führt zu einer tiefen Unsicherheit. Die soziale Umwelt bietet nicht genügend Lösungshilfen. Man sucht die Lösung für seine Probleme bei anderen Jugendlichen. Hier bietet sich die Geborgenheit einer Gruppe Gleichgesinnter an. Von diesen werden Lebensformen und Verhaltensweisen übernommen. Dabei kommt es aufgrund des sozialen Drucks (>alle nehmen das Mittel, willst du ein Feigling sein?<) zu ersten Berührungen mit Drogen. In der Regel erfolgt der Einstieg in die Drogenwelt über Alkohol, Nikotin oder Medikamente. Diese Alltagsdrogen haben eine sogenannte >Schrittmacher- Funktion<. Dabei darf nicht übersehen werden, dass gleichzeitig von der Einnahme mancher Rauschmittel eine echte Lebenshilfe erwartet wird. Sie sollen das Bewusstsein erweitern und somit die Suche nach neuen Lebensformen und Lösungen für die eigenen Probleme bieten. Nicht selten ist der Grund für die ersten Versuche mit Rauschgiften aber auch einfache jugendliche Neugier.

2. Stadium

Im zweiten Stadium werden Die Rauschgifte nicht mehr so sehr probiert, sondern sie werden gezielt als Verstärker für Gefühle und Sinneswahrnehmungen eingesetzt. Hierbei werden vor allem Haschisch und synthetische Drogen bevorzugt. Da aber diese Rauschgifte, mögen sie auch nicht so gefährlich sein wie z. B. Heroin, zumindest eine Antriebsschwäche hervorrufen, wachsen die Probleme des Jugendlichen weiter an. Denn normalerweise befindet er sich in diesem Alter noch in der schulischen oder beruflichen Ausbildung. In dieser Situation kann er sich unter dem heute schon in der Schule stattfindenden Konkurrenzkampf, der im übrigen die Gefährdung hin zu den Drogen noch verstärken kann, keine schwachen Phasen leisten. Die wichtigste Funktion des Rauschgiftes in diesem Stadium ist das Verschaffen eines Wir- Gefühls, welches das häufige Gefühl der Einsamkeit überdecken soll. Dieses >Wir- Gefühl< entsteht aus der gemeinsamen Erfahrung der illegalen Beschaffung, der Verteilung und des Konsums sowie der ständigen Furcht vor dem Erwischtwerden.

3. Stadium

In diesem Stadium sind so viele Probleme durch die bisherige Lebensweise bei dem Süchtigen entstanden, dass er jetzt das Rauschgift nur noch zur Konfliktverdrängung und Problembewältigung benutzt. Da er sich
mit >weichen< Drogen schon lange nicht mehr zufrieden gibt, die Betäubung durch >harte< Drogen ein gemeinsames Erleben der Wirkung des Rauschgiftes nicht mehr zulässt, wird das Erlebnis des Fixens allein
gesucht. Damit ist auch der Sinn - Gemeinsamkeit zu schaffen - hinfällig geworden. Beziehungen zu anderen sind eher zufällig, kurzfristig und dienen höchstens dem >ungestörten< Rauschgiftkonsum.

4. Stadium

Das Verhalten des Abhängigen ist in diesem Stadium nur noch ein Reflex auf das Rauschgift. Sein ganzes Denken und Handeln ist auf den Erwerb von genügend Stoff gerichtet. Jetzt ist aber der Sinn nicht mehr die Suche nach Rauscherlebnissen, sondern lediglich die Vermeidung von schmerzhaften Entzugserscheinungen.

Hinweis:
Es soll jetzt auch erwähnt werden, dass dieser Stadienverlauf nicht immer zutrifft.
Es kann durchaus sein, dass direkt mit harten Drogen wie Heroin oder synthetischen Drogen begonnen wird.
Dadurch kann sich schon nach kurzer Zeit eine starke Abhängigkeit ausbilden, und es besteht zudem die Gefahr der ungewollten Überdosierung.

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